Eingewöhnung Kita: Ablauf, Dauer und Tipps für Eltern
Eingewöhnung in der Kita: Berliner und Münchener Modell, Ablauf Tag für Tag, wie lange sie dauert, die erste Trennung, typische Fehler und eine Packliste.
Die Eingewöhnung in der Kita dauert meist zwei bis vier Wochen: Ein Elternteil begleitet das Kind in den ersten Tagen, dann folgen kurze Trennungen, die Schritt für Schritt länger werden. Am bekanntesten ist das Berliner Eingewöhnungsmodell mit drei Tagen ohne Trennung und einem ersten kurzen Abschied am vierten Tag. Die Eingewöhnung ist geschafft, wenn sich dein Kind von der Bezugserzieherin oder dem Bezugserzieher trösten lässt.
Warum es eine Eingewöhnung gibt
Für viele Kinder ist die Kita der erste Ort, an dem sie regelmäßig ohne Eltern sind – mit fremden Erwachsenen, vielen Kindern, neuen Geräuschen und einem neuen Tagesablauf. Die Eingewöhnung gibt ihnen Zeit, eine feste Bezugsperson in der Kita kennenzulernen, während Mama oder Papa als „sicherer Hafen“ noch in der Nähe sind. In Deutschland arbeiten die meisten Krippen und Kitas nach einem festen Modell, das sie im Aufnahmegespräch erklären.
Die bekanntesten Modelle
Berliner Eingewöhnungsmodell
Das Berliner Modell wurde in den 1980er-Jahren vom Institut INFANS in Berlin entwickelt und ist heute das verbreitetste. Es ist auf das einzelne Kind und eine feste Bezugsfachkraft ausgerichtet:
- Vorbereitung: Aufnahmegespräch, Infos über Gewohnheiten, Rituale und Vorlieben des Kindes.
- Grundphase (Tag 1–3): Ein Elternteil kommt mit dem Kind für etwa ein bis zwei Stunden in die Gruppe und bleibt im Raum. Keine Trennung. Die Eltern verhalten sich eher passiv, das Kind darf sich jederzeit zurückziehen.
- Erster Trennungsversuch (Tag 4): Das Elternteil verabschiedet sich und verlässt den Raum für wenige Minuten. Nicht an einem Montag, weil das Kind nach dem Wochenende oft mehr Nähe braucht.
- Stabilisierungsphase: Die Fachkraft übernimmt nach und nach Wickeln, Essen und Trösten. Die Trennungszeiten werden länger.
- Schlussphase: Das Elternteil ist nicht mehr in der Kita, aber jederzeit erreichbar.
Je nachdem, wie das Kind auf den ersten Abschied reagiert, planen die Fachkräfte eine kürzere Eingewöhnung von etwa einer Woche oder eine längere von zwei bis drei Wochen.
Münchener Eingewöhnungsmodell
Das Münchener Modell ist meist etwas länger angelegt. Das Kind lernt nicht nur eine Bezugsperson, sondern die ganze Gruppe und die Räume kennen, und die Eltern nehmen in der ersten Zeit aktiv am Kita-Alltag teil. Die Phasen heißen Vorbereitung, Kennenlernen, Sicherheit, Vertrauen sowie Auswertung und Reflexion.
Eingewöhnung in der Kleingruppe
Einige Kitas gewöhnen mehrere Kinder gemeinsam ein, etwa nach dem Tübinger Modell. Die Idee: Die Kinder lernen sich gegenseitig kennen und finden auch untereinander Halt. Eltern sind auch hier anfangs dabei.
Ablauf Tag für Tag (Beispiel Berliner Modell)
| Zeitraum | Was passiert | Deine Rolle |
|---|---|---|
| Tag 1–3 | 1–2 Stunden gemeinsam in der Gruppe | Da sein, beobachten, nicht aktiv spielen; das Kind darf zu dir kommen |
| Tag 4 | Erster kurzer Abschied, wenige Minuten | Klar verabschieden, in der Nähe bleiben |
| Woche 2 | Trennungen werden länger, Fachkraft übernimmt Pflege | Kurzer, gleicher Abschied jeden Tag; pünktlich zurückkommen |
| Woche 2–4 | Kind bleibt bis nach dem Essen oder Mittagsschlaf | Erreichbar bleiben, Zeiten mit der Kita absprechen |
| Ende | Kind lässt sich von der Fachkraft trösten | Mit der Kita ein Abschlussgespräch führen |
Das ist ein Beispiel – jede Kita und jedes Kind hat ein eigenes Tempo. Die Fachkräfte entscheiden gemeinsam mit dir, wann der nächste Schritt passt.
Gute Eingewöhnung: 8 Tipps für Eltern
- Zeit einplanen: Rechne mit vier Wochen, in denen du flexibel bist. Wer am ersten Kita-Tag auch den ersten Arbeitstag hat, gerät unter Druck.
- Keine weiteren großen Veränderungen: Umzug, ein neues Geschwisterchen im Haus oder der Wechsel ins eigene Zimmer lieber nicht in dieselben Wochen legen.
- Ein fester Abschied: Kurz, liebevoll, jeden Tag gleich – etwa Kuss, Winken am Fenster, „Ich hole dich nach dem Essen ab.“
- Nie heimlich gehen: Sich rauszuschleichen erspart den Moment, kostet aber Vertrauen.
- Konkrete Zeitangaben: Kleine Kinder verstehen „nach dem Mittagessen“ besser als „um zwölf“.
- Vertrautes mitgeben: Kuscheltier, Tuch oder ein kleines Familienfotobuch.
- Im Gespräch bleiben: Frag beim Abholen, wie es lief, und erzähl der Kita, was zu Hause los ist.
- Nicht vergleichen: Manches Kind läuft am zweiten Tag los, ein anderes braucht Wochen. Beides ist normal.
Was Eltern bei der Eingewöhnung oft falsch machen
- Den Abschied immer wieder hinauszögern oder zurückkommen, sobald das Kind weint.
- In der Grundphase selbst mit den anderen Kindern spielen – dein Kind soll die Fachkraft kennenlernen, nicht dich teilen.
- Zu früh zu viel wollen: von einer Stunde direkt auf einen ganzen Tag.
- Die eigene Nervosität überspielen wollen. Kinder spüren sie trotzdem – ein ehrliches „Ich bin auch ein bisschen aufgeregt“ hilft mehr.
- Rückschritte als Scheitern sehen. Nach Ferien oder längeren Pausen braucht es oft wieder etwas mehr Zeit.
Packliste für die ersten Kita-Tage
- Wechselkleidung (mit Namen beschriftet)
- Hausschuhe oder Stoppersocken
- Matschhose und Gummistiefel
- Windeln und Feuchttücher, falls nötig
- Kuscheltier oder Schmusetuch
- Kleines Fotobuch mit Familienbildern
- Trinkflasche, wenn die Kita das wünscht
Der Abend nach dem Kita-Tag
Nach einem Tag voller neuer Eindrücke brauchen viele Kinder abends besonders viel Nähe. Ein ruhiges, gleichbleibendes Abendritual gibt Halt: gemeinsam essen, baden, eine Geschichte, ein Lied. Ideen für Vorlesemomente rund um den Kita-Alltag findest du im Beitrag Geschichten zum Vorlesen für Kita, Nachmittag und Abend. Hier eine kurze eigene Geschichte für die Eingewöhnungszeit:
Lotte hatte heute zum ersten Mal ganz allein in der Bärengruppe gefrühstückt. Na ja, nicht ganz allein. Da war Frau Kaya mit den bunten Ohrringen. Und Ben, der so laut lachte, dass die Becher wackelten.
Am Abend lag Lotte im Bett und erzählte ihrem Hasen alles. „Mama ist weggegangen. Ganz kurz. Und dann ist sie wiedergekommen. Genau nach dem Brot.“ Der Hase hörte gut zu. „Morgen“, flüsterte Lotte, „nehme ich dich mit. Dann kannst du Frau Kaya auch kennenlernen.“
Mama deckte sie zu und sagte das, was sie jeden Abend sagte: „Ich hab dich lieb. Und ich komme immer wieder.“ Lotte nickte, schon mit geschlossenen Augen. Das wusste sie jetzt. Mama kommt immer wieder. Genau nach dem Brot.
Geschichten für jeden Abend mit Nori Tales
Nori Tales schreibt jede Woche ein illustriertes Buch mit sieben Kapiteln, in dem dein Kind mit seinem Namen und seinen Lieblingshelden vorkommt – ein Kapitel pro Abend, zum Vorlesen oder Anhören. Für Krippenkinder zeigt das Programm für 1 bis 3 Jahre ruhige Geschichten mit kurzen, wiederkehrenden Sätzen, für Kindergartenkinder das Programm für 4 bis 6 Jahre. Wie ein solches Buch aussieht, zeigt das Beispielbuch „Die Wolkenfreundschaft“ – das erste Kapitel kannst du ohne Konto lesen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Eingewöhnungsphase bei einer Kita?
Meist zwei bis vier Wochen. Nach dem Berliner Modell entscheidet die Reaktion auf den ersten Abschied am vierten Tag, ob eine kürzere Eingewöhnung von etwa einer Woche oder eine längere von zwei bis drei Wochen geplant wird. Manche Kinder brauchen länger – das ist kein schlechtes Zeichen.
Wie sieht eine gute Eingewöhnung aus?
Das Kind lernt in seinem Tempo eine feste Bezugsperson kennen, während ein Elternteil anfangs dabei ist. Abschiede sind kurz und immer gleich, die Trennungszeiten werden langsam länger. Am Ende lässt sich das Kind von der Fachkraft trösten und spielt in der Gruppe.
Was machen Eltern bei der Kita-Eingewöhnung falsch?
Häufig sind es heimliches Rausschleichen, lange Abschiede, zu wenig eingeplante Zeit oder zu große Schritte auf einmal. Auch große Veränderungen zur gleichen Zeit, etwa ein Umzug, machen die Eingewöhnung schwerer.
Wann ist die erste Trennung bei der Eingewöhnung?
Beim Berliner Modell meist am vierten Tag, aber nicht an einem Montag. Das Elternteil verabschiedet sich bewusst und bleibt nur wenige Minuten weg. Andere Modelle planen die erste Trennung etwas später.
Was tun, wenn das Kind beim Abschied in der Kita weint?
Weinen beim Abschied ist häufig und zeigt, dass dein Kind an dir hängt. Verabschiede dich trotzdem kurz und klar und frag später, wie schnell es sich trösten ließ. Wenn das Weinen über Wochen nicht weniger wird, besprich mit der Kita, ob ein langsameres Tempo hilft.
Probier eine Geschichte aus
Wie Nori-Tales-Geschichten aufgebaut sind, kannst du kostenlos ausprobieren – zum Beispiel mit einem größeren Geschwisterkind: Kapitel 1 von „Die Wolkenfreundschaft“ gratis lesen – ohne Konto. Wenn es euch gefällt, erstellst du ein kostenloses Konto und personalisierst die Geschichten mit dem Namen deines Kindes.
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